|
Sommer 2004:
Nach langem Zögern war klar, wir wollten einen Hund.
Wir beide gingen keiner geregelten Arbeit mehr nach und es fehlte uns
somit eine Aufgabe. Unser Haus war wie leer, keines der drei Kinder
lebten noch mit uns unter einem Dach und so überzeugte mich meine Frau
davon, dass man auch ohne mit dem Flugzeug in den Süden zu fliegen einen
schönen Urlaub genießen kann. Also ein Hund.... aber welcher passt zu
uns?
Wie man an der Homepage sehen kann, war das Internet erreichbar
und so „google"ten (suchten) wir nach Hunderassen. Bei
www.hunderassen.de wurden wir zuerst fündig und durchsuchten die
verschiedenen Rassen von A bis Z. Bei "B" fand der Beagle meine
Aufmerksamkeit, aber.... Charakter: selbständig, eigenwillig... war
nicht das, was wir suchten. Schließlich war uns klar, dass wir Anfänger
in der Hundeerziehung sind und wollten so wenig Fehler wie möglich
machen.
Weiter ging die Suche.... Zu groß, zu klein, zu schwierig oder zu
pflegeintensiv. Dann "K" = Kromfohrländer, ja das las sich aber
interessant:
Der Kromfohrländer ist ein ausgesprochener Familienhund, der bis ins
hohe Alter verspielt ist. Er ist sehr menschenbezogen und ist für allein
stehende Personen ebenso geeignet wie für lebhafte Familien. Ein überaus
geselliger Hund, der auch gut zu mehreren gehalten werden kann.
Charakter: anhänglich, robust, verspielt, leicht erziehbar, ...
Ja, das war
es doch: "leicht erziehbar" trauten wir uns zu,
wollten wir doch auf jeden Fall eine Hundeschule besuchen. Und das
Aussehen.... einfach zum verlieben. Also dann mal nach einem Welpen
suchen, wozu hat man schließlich das Internet; aber...
so einfach ging das (leider) nicht. Nach tagelangem Suchen und Lesen
habe ich mich ergeben und einen Brief mit der Bitte um einen
Züchternachweis an den Kromfohrländerverein geschickt. Dieser kam auch
prompt und damit langsam die Einsicht, dass es nicht mal so eben einen
Kromfohrländer gibt.
Jetzt, wo wir unsere Ayka haben, wissen wir auch, warum das so
ist und finden es auch richtig so. Aber weiter im Text: Zehn Züchter von
Rauhaar- und zwei von Glatthaar-Kromfohrländern standen auf dieser
Liste. Wir suchten die Liste nach Züchtern in unserer Nähe ab, aber
Pustekuchen, der "dichteste" Züchter wohnte ca. 300km entfernt im Raum
Bremen, der "Weiteste" ca. 900km ganz im Süden der Bundesrepublik.
Sodann wurde das Telefon genommen und die Züchter in der Reihenfolge
ihrer Entfernung zu unserem Wohnort angerufen. Von "nicht schon wieder
einer" bis "ich setzte sie mal auf die Liste" reichte die Palette. Dann
ein Anruf nach Berlin: "Haben Sie E-Mail, dann bewerben sie sich bitte
schriftlich". Jetzt konnte ich auftrumpfen mit Bildern und langem Text,
der unsere Vorzüge hervorhob und so kamen wir auf die Favoritenliste
dieses Züchters.
(Übrigens, wir hätten sogar einen Kromi von diesem Züchter bekommen können,
wie sich später herausstellte. Es wäre allerdings ein glatter Kromi geworden
und wir favorisierten inzwischen einen Kromi mit Bart, also einen Rauhaar)
Ziemlich entnervt rief ich noch in Frankfurt (Oder) an, ca. 540km
von uns entfernt. Nach genau 36min war das Gespräch beendet und ich
hatte das Gefühl, dass hier ein Mensch (Frau Eulenberger) am anderen
Ende der Leitung auf der gleichen "Wellenlänge" lag wie ich. Wir haben
noch häufiger miteinander telefoniert und niemals weniger als 30min,
meist war es eine ganze Stunde. Frau Eulenberger konnte so überzeugend
von "Verantwortung für den Hund" oder "Liebe des Hundes zu
seinem Herrn" reden, dass es einfach Spaß machte sich von Ihr die vielen
"Für und Wider" erzählen zu lassen. Gar nicht bemerkt habe ich
allerdings, dass ich bei diesen Gesprächen ganz diskret ausgefragt wurde ob
wir denn überhaupt geeignet wären, einen Kromfohrländer zu bekommen.
Nur einfach ein bisschen "Kohle" rüber geben und dafür einen
Welpen bekommen, gibt es bei Kromfohrländerzüchtern nicht. Man kennt
sich untereinander und neben der gegenseitigen Hilfsbereitschaft tauscht
man sich auch anderweitig aus. Und dann das erlösende "Herr Gynther, sie
bekommen einen Welpen". Meine Frau und ich schwebten auf Wolke 7 und wir
malten uns aus, wie es mit dem Welpen wäre. Die ersten Spielzeuge,
Deckchen und ein Körbchen wurden schon gekauft, Kissen genäht und ein
Kinder-Türgitter für das Schlafzimmer auf dem Flohmarkt gesucht.
Dabei sollten doch noch mindestens zwei Monate vergehen bis die Happy, die Mama unserer
Ayka, überhaupt soweit war, dass sie gedeckt werden konnte. Beinahe wäre
sowieso alles schief gegangen, denn der ausgesuchte Rüde hatte einen Bruder
mit einer unheilbaren Erbkrankheit und wurde von Frau Eulenberger verworfen. So ging
die Suche nach einem geeigneten Rüden für Frau Eulenberger wieder von
vorne los und es fand sich Gott sei Dank der Quintus aus der Nähe von
Celle.
Celle liegt nur ca. zwei Autostunden von uns entfernt. Diese
Gelegenheit wollten wir nutzen und sowohl die Familie Eulenberger als
auch die Happy kennen lernen. Ein wenig "Bammel" hatten wir schon vor
unserem ersten Zusammentreffen. Mochte uns die Happy? Oder wie kommen
wir bei der Familie Eulenberger an? Vieles ging uns durch den Kopf und
.... schnell war der Bann gebrochen, Familie Eulenberger war, wie man so
schön sagt, wie du und ich, also ganz normal oder fast wenigstens. Kromizüchter
müssen wohl irgendwie ein bisschen anders (verrückt) sein, aber eben
auf ganz liebevolle Weise. Ich glaube, wir haben uns drei Stunden lang
unterhalten, über dies und das aber vor allem über Kromis eben. Und
Happy?, nach einigen Minuten ließ sie sich von meiner Frau genüsslich
streicheln, schließlich war die Stimmung entspannt. Happys Frauchen
schwärmte in vollen Zügen von dem Deckakt und wie schön doch alles
gewesen sei.
Bei dieser Gelegenheit kam auch zur Sprache, ob wir lieber ein
Mädchen oder einen Jungen haben möchten, und dass Frau Eulenberger auf
jeden Fall ein Mädchen für sich selber behalten würde. Da wir auf
jeden Fall ein Mädchen haben wollten, mussten mindestens zwei
Mädchen in dem ersten, dem "A-Wurf" sein, damit wir eines abbekommen
würden. Ob wir im Fall der Fälle auch einen Rüden nehmen würden, wurden
wir gefragt und ich glaube, wir haben darauf bewusst unpräzise
geantwortet, um ja nicht unangenehm aufzufallen. Heute kann man darüber
lächeln, aber wenn man merkt, wie schwer es ist, einen Kromi zu
bekommen, zieht man eben seinen "Sonntagsanzug" an.
Und dann der 1. Februar 2005: "Herr Gynther, unsere Happy hat
gestern 5 Welpen zur Welt gebracht. Drei Mädchen und zwei Buben". DREI
Mädchen, das bedeutet, wir hatten eine große Chance, unseren Kromi zu
bekommen. Von da ab wurde verabredet, alle drei bis vier Tage mit
Frankfurt (Oder) zu telefonieren. Beim zweiten Anruf dann: Trauer, einer
der beiden Rüden war gestorben. Eine Gaumenspalte ist leider bis heute
unheilbar und die Stimmung bei Familie Eulenberger war deutlich
gedrückt. Und da Frau Eulenberger inzwischen vier favorisierte Familien
hatte, die alle glaubten, einen Kromi zu bekommen, war klar.... eine
Familie musste verzichten. Ich bin mir sicher, dass die Telefonate, die
Frau Eulenberger mit uns vier Familien führte, nicht zu ihren
angenehmsten Gesprächen gehörten. Zehn Tage Bedenkzeit wollte sich Frau
Eulenberger nehmen, um zu entscheiden, wer denn zu den Glücklichen
gehören würde.
Es vergingen fünf Tage voller Trauer und Ungewissheit. Es gab auch
die Überlegung, ob wir uns einen "einfacher" zu "beschaffenden" Hund
zulegen sollten, aber wir blieben bei unserer ursprünglichen
Entscheidung: wir wünschen uns einen Kromfohrländer. Und dann kam der
Anruf aus Frankfurt (Oder): WIR bekommen eine der drei Hündinnen. Dieses
Glücksgefühl ist unbeschreiblich und deshalb versuche ich es auch gar
nicht. Von Anruf zu Anruf besserte sich die Stimmung von Frau
Eulenberger und wir bekamen viele Eindrücke in mündlicher, wie auch in
bildlicher Form über das Werden der vier Welpen. Ich glaube, Familie
Eulenberger hat uns über 100 Bilder mittels E-Mail geschickt und wir
haben bestimmt jeden Tag mehrmals nachgeschaut, ob neue Bilder dabei
sind.
Bei den vielen Gesprächen wurde uns auch klar gemacht, dass wir
auf jeden Fall mindestens einmal während der Aufzucht nach Frankfurt
(Oder) kommen sollten. Wir bekamen mehrere Termine zur Auswahl und
entschieden uns dafür, vom 19. bis 20. März 2005 die Welpen zu besuchen.
Auch wenn wir 540km (ca. 4,5Std.) in einfache Richtung fahren "mussten",
auch wenn das bedeutete, dass wir dort übernachten "mussten", so möchten
wir auf dieses Erlebnis auf keinen Fall verzichten. Sich in einem
"Welpenspielgehege" hinzusetzen und von vier sieben Wochen alten Welpen
anspringen zu lassen, diese streicheln und beschmusen zu dürfen ist ein
unwiederbringlicher Genuss und kann mit Worten auch nicht
"rübergebracht" werden. Um diese Zeit beneide ich die Familie
Eulenberger sehr und glaube zu verstehen, warum Frau Eulenberger immer
von Belohnung statt Belastung gesprochen hat. Unsere Ayka ist nun erst
wenige Monate bei uns und wir erziehen ’’nur’’ einen Hund. Aber jetzt
können wir uns eine richtige Vorstellung davon machen, wie es sein muss,
vier Welpen groß zu ziehen. In diesem Zusammenhang ziehe ich vor der
Familie Eulenberger meinen sprichwörtlichen "Hut".
Es waren wunderbare Stunden, die wir mit den Welpen und mit der
Hundemama Happy verbringen durften. Besonders schön wurde es dadurch,
dass wir bei dieser Gelegenheit erfuhren, welches der drei Mädchen wir
bekommen würden. Klar das von dieser Sekunde an unsere Aufmerksamkeit
ganz besonders der kleinen "Weißen" galt. Happy hat uns
immer beäugt, wenn wir mit den Welpen
spielten, aber niemals angeknurrt oder sonst irgendwie Misstrauen
gezeigt. An dieser Stelle möchte ich mal anmerken, dass Familie Eulenberger weder
Kosten noch Mühe gescheut haben und den vier Welpen mannigfaltigste
Gegenstände zum spielen und erleben in deren Alltag gelegt haben. Seien
es Bälle, auf die man laufen muss, eine dunkle Tunnelröhre mit
knisterndem Untergrund oder Plastikflaschen mit einem Löffel drin, die
viel Lärm macht oder die Geräusche-CD, die den kleinen Welpen überhaupt
keine Angst mehr bereitete. Oder, oder, oder.... Somit waren die Welpen
bestens für die Welt da draußen vorbereitet worden und das merkt man
unserer Ayka heute auch an.
Und wir bekamen auch die Ehre, die Welpen zum allerersten mal
ausführen zu dürfen. Mitten im März bei gerade einmal 8°
Außentemperatur, aber strahlendem Sonnenschein, haben wir die vier
Welpen in die Jackenausschnitte genommen und uns ein sonniges Plätzchen
auf der Rasenfläche in dem nahe gelegenen Grün gesucht. Die vier Welpen
waren aus dem Häuschen, Gerüche über Gerüche, alles war neu, aber da
Mama Happy ganz ruhig in der Nähe aufpasste, hatte keines der Welpen
Angst und schnüffelte und tobte. Wir vier Menschen haben nur drum
herum gestanden und uns gefreut, gestaunt und gelacht.
Mit viel Gesprächstoff im "Gepäck" ging es dann am
Sonntagnachmittag wieder nach Hause. Nur noch 14 Tage, dann wäre es
soweit und wir würden wieder nach Frankfurt (Oder) fahren, um UNSERE
Ayka abzuholen. Den Namen haben wir aussuchen dürfen und haben uns für
einen entschieden, der nicht mehr abgewandelt oder durch einen Kosenamen
ersetzt wird. Zu Hause wurde in den verbliebenen Tagen alles
vorbereitet. Das Kissen fürs Körbchen fertig genäht, Futter, Leine und
Halsband gekauft, sowie noch mehr Spielzeug angeschafft. Bei dieser
Gelegenheit noch einmal tausend Dank für die vielen Tipps und Tricks und
dafür, dass wir eine Liste mitbekommen haben, auf der unter anderem steht,
welche die richtige Zeckenzange, die passende Krallenschere und das
ideale Futter für unsere Ayka ist.
Samstag den 02. April 2005: Es war soweit. Wir fuhren wieder nach
Frankfurt (Oder) in die Pension, um UNSERE Ayka abzuholen. Während der
Fahrt bemerkte ich, wie sich meine Stimmung von Himmel-Hoch-Jauchzen
ganz langsam in Richtung Zu-Tode-Betrübt änderte. Einerseits die riesige
Vorfreude auf das Ende einer langen Wartezeit und die Freude auf die
Zukunft mit einem bezaubernden Wesen namens Ayka, welches uns die
letzten Nächte immer in den Träumen begleitet hat. Anderseits das
Bewusstsein, dass wir Frau Eulenberger etwas wegnehmen würden. Etwas,
das sie mit jeder Phase ihres Herzen liebte und natürlich bei klarem
Verstand wusste, dass es nicht anders gehen könnte. Aber Herz und
Verstand liegen meist weit auseinander und nun kamen wir, um ihr Ayka
wegzunehmen. Ich kam mir reichlich schäbig vor, mich plagten
Gewissensbisse und ich habe die Nacht über ganz schlecht geschlafen.
Auch das Frühstück wollte nicht so recht schmecken.
Punkt 10:00 Uhr, wie verabredet, klingelten wir an der Haustür
und sowohl Frau wie auch Herr Eulenberger bemühten sich diesen (wunden)
Punkt nicht in den Vordergrund zu stellen. Die Papiere wurden
besprochen, das Geschäftliche war eine stille Übergabe eines Umschlages
und alle waren bemüht, nicht an den folgenden Augenblick zu denken. Nach
einer Stunde...., der Augenblick musste ja kommen, nahm Herr
Eulenberger Happy und ging mit ihr Gassi.
Der Abschied auch von Herrn Eulenberger war herzlich, mit
Umarmung aber ohne viele Worte, jeder wusste ja was gleich folgte. Nach
einigen Minuten nahm Frau Eulenberger die Ayka auf den Arm, drückte und
küsste sie sanft und legte sie mir auf den Arm. Mit stummer Miene verließen
wir die Wohnung und setzten die Ayka in einen Karton den wir auf die
Rückbank unseres Autos geschnallt hatten. In dem Karton lag schon das
Tuch, dass wir Ayka beim letzten Besuch mitgebracht hatten, und
welches nun die Gerüche von ihrem Rudel enthielt.
Bis zur Autobahn benötigten wir ca. 10min. und nur während dieser
Minuten hörte man Ayka leise Wimmern und versuchen aus dem Karton zu
kommen. Meine Frau saß mit hinten und konnte immer beruhigend auf Ayka
einreden und kaum auf der Autobahn legte sich die Ayka in den Karton und
schlief friedlich ein....
Fortsetzung:
Die erste Woche in meinem neuen Zuhause
PS: Ich bin mir sicher, dass die überwiegende Mehrzahl aller
Kromizüchter genauso zärtlich, fürsorglich und umsichtig bei der
Aufzucht ihrer Welpen sind wie es Frau Eulenberger mit ihren vier Welpen
war. Auch werden bestimmt viele Kromibesitzer denken, dass sie Ähnliches
bis Gleiches erlebt haben. Deshalb noch einmal mein Dank an die "Eulenbergers"
dieser Welt.
Fockbek, den 31. Mai 2005
Rainer Gynther
|